Gastbeitrag Presseteam

Ein Weihnachtstraum

cc by JesterWr

Santa Claus, früher ehrfurchtsvoll „Der Weihnachtsmann“ genannt, kommt – meine Musikschulkinder sind sich völlig sicher – dieses Jahr mit dem LKW. Links und rechts auf der offenen Ladefläche stehen die Elfen und werfen, immer je 5 auf einer Seite gleichzeitig 10 Pakete in 10 verschiedene Schornsteine. Die Rentiere haben ein Jahr Pause, denn es liegt ja kein Schnee. Und Santa braust mit mindestens 110 Stundenkilometern durch die 30iger Zonen, denn sonst kommt er nicht rechtzeitig durch.

Solch klugen, gesundheitsbewussten, gertenschlanken Kinderchen schenkte ich natürlich keine Süßigkeiten, denn sie halten das für Zellgift und einen Angriff auf ihre Gesundheit. Ich verschenkte an sie Aufkleber mit tollem schwarzen Segel und allerlei Kleinigkeiten von der Piratenpartei. Die allermeisten freuten sich. Die Mutter eines der Kinder (Rechtanwältin) wies mich darauf hin, dass das Geschenk eine politische Aussage enthielte, der sie nicht zustimmen könnte. Der kleine Junge bekam den Piratenaufkleber weggenommen. Ich sah es in seinen Augen, dass er in diesem Moment beschloss, mit 18 Jahren zuhause auszuziehen und ein furchterregender Pirat zu werden, wobei er sicher vor allem an sein Playmobil-Piratenschiff dachte.

Der andere Junge sagte, sein Vater hätte alles weggeschmissen, so eine Partei wählt keiner. „Doch“, sagte ich, „ich wähle sie. Ich bin sogar Mitglied“. Er sah mich fassungslos an und dachte lange nach. “Aber bei denen können Sie doch nichts werden. Die wählt doch keiner“, sagte er schließlich. „Ich will auch nichts werden“, sagte ich, „weder Bürgermeister noch Bundeskanzler. Ich will Musik machen, wenig Steuern zahlen und unterwegs im Auto mit gesundem Menschenverstand und nicht nach irgendeinem idiotischen Blechschild fahren. Ich will Fotos, Musik und Videos aus dem Netz laden und dabei nicht bespitzeln und überwacht werden. Ich will frei und mein eigener Herr sein.“

Er dachte wieder lange nach. „Das mit dem Internet will ich auch“, sagte er. „Gut“, sagte ich, wenn du 18 bist, nehme ich dich mit. Dein Vater kommt dann später dazu.“ Er nickte zustimmend.

Panta Rhei, alles fließt, alles verändert sich, zum Guten, zum Schlechten, irgendwie, irgendwohin, unbeeinflussbar. Überall ist verbrannte Erde, überall ist aber auch in jeder Sekunde eine Chance. Trotzdem muss Mann/Frau beständig aufpassen wie ein Luchs. Denn alles bedeutet etwas anderes als früher bedeutet oder bekommt eine neue Bedeutung untergeschoben. Nehmen Sie das Wort „Reform“, da freute man sich früher drauf. Dann gab´s mehr Rente. Jetzt zuckt man bei der Ankündigung zusammen wie in Erwartung eines Schlages mitten ins Gesicht. Obwohl, die Schläge der Staatsdiener zielen ja immer eher auf den Geldbeutel der „mündigen“ Bürger, also derer, die längst entmündigt sind und gar nichts mehr zu sagen haben. Denken Sie bloß an das Schicksal der Raucher. Bald sind die Dicken dran. Die Autofahrer sind sowieso immer dran.

Neulich sah ich im Traum ein Wahlplakat der Piratenpartei. Darauf waren ein durchgestrichener Leitzordner, eine zerbrochene Verkehrskelle und eine Bürotür zu sehen, an der stand: für immer geschlossen. Dieses Plakat führte im Traum dazu, dass die Piratenpartei mit 30 Prozent in den Landtag einzog, ein Drittel aller Gesetze strich, ein Drittel aller Behörden schloss, alle Geschwindigkeitsbegrenzungen wegen „Schneeflocke“, „Wildwechsel“ u. ä. absägte, alle Spitzelautos (das sind die mit den überlangen Antennen) verschrottete und alle überflüssigen Stecker aus den Servern und W-Lan-Knoten zog.

Was für ein schöner Traum!

Frohe Weihnachten

Der Beitrag wurde von Thomas Heyn, Mitglied des Presseteam des Landesverbandes Brandenburg, verfasst.

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