Die Piratenpartei Brandenburg nahm den Rücktritt von Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten am vergangenen Freitag, dem 17. Februar 2012, mit Erleichterung zur Kenntnis. Clara Jongen, zweite Vorsitzende der PIRATEN Brandenburg, dazu: »Mit den typischen Reflexen etablierter Politiker, sich an Amt und Posten zu klammern, wurde das Ansehen der Politik nachhaltig beschädigt. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge rund um Christian Wulff und einen Paradigmenwechsel der politischen Kultur: hin zu Transparenz und ehrlicher Politik.« Bereits wenige Tage nach dem Rücktritt stand mit Joachim Gauck ein gemeinsamer Kandidat von CDU, CSU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen fest. Das Magazin “Der Spiegel” titelte bereits „Parteien einig: Joachim Gauck wird neuer Bundespräsident“. Die Piratenpartei Brandenburg kritisiert das Vorgehen bei der Kandidatenfindung und fordert die Aufstellung mehrerer überparteilicher Kandidaten, um eine wirkliche Wahl zu ermöglichen.

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»CDU, CSU, FDP, SPD und Bündnis 90/Die Grünen sind dabei, eine große Chance zu verschenken. Anstatt alle demokratischen Parteien und alle demokratischen Mitglieder der Bundesversammlung bei der Suche nach aussichtsreichen überparteilichen Kandidaten einzubinden, wird mit der Aufstellung von Joachim Gauck versucht, einen scheinbaren Befürworter ihrer Positionen in das Amt des Bundespräsidenten zu bringen«, erklärt Michael Hensel, erster Vorsitzender der PIRATEN Brandenburg. »Mit der Nominierung eines Kandidaten durch die Parteispitzen der etablierten Parteien, wird ein merkwürdiges Demokratieverständnis zum Ausdruck gebracht. Gemäß dem Gesetz über die Wahl des Bundespräsidenten ist jedes Mitglied der Bundesversammlung vorschlagsberechtigt. Die Aufstellung mehrerer überparteilicher Kandidaten fern der Machtpolitk wäre ein deutliches und zu begrüßendes Signal.«

Die Piratenpartei Brandenburg bevorzugt eine größere Auswahl aus bürgernahen Kandidaten, die sich auch kritisch zur aktuellen Politik äußern und sich nicht davor scheuen würden, die Achtung der Grundrechte und des Grundgesetzes anzumahnen. »Ob – im Falle seiner Wahl – Kritik an der Politik der Bundesregierung von Joachim Gauck kommen wird, muss die Zukunft zeigen. Ich hoffe darauf, positiv überrascht zu werden. Es wird Zeit für einen unabhängigen Bundespräsidenten«, ergänzt Clara Jongen. Mit dem Einzug der Piratenpartei in das Abgeordnetenhaus von Berlin stehen den PIRATEN zwei Plätze in der Bundesversammlung zu, die den Präsidenten am 18. März wählen wird. »Innerhalb der gesamten Piratenpartei werden derzeit zahlreiche Kandidaten diskutiert. Die Entsendung der Vertreter für die Bundesversammlung ist letztlich aber eine Entscheidung der Piratenfraktion in Berlin; damit geht natürlich auch das Recht einher, Kandidaten vorzuschlagen oder Vorschläge anderer Mitglieder der Bundesversammlung zu unterstützen«, fügt Michael Hensel hinzu.

Voraussichtlich am kommenden Donnerstag, den 23. Februar 2012, werden durch den brandenburgischen Landtag die vermutlich 20 Mitglieder gewählt, die das Land Brandenburg in der 15. Bundesversammlung vertreten werden. »Auch wenn Ministerpräsident Matthias Platzeck im Kandidaten Joachim Gauck einen „Leuchtturm in rauer See“ sieht, sollten alle Mitglieder der Bundesversammlung darüber nachdenken, ob es sich beim schnell gefundenen und präsentierten Kandidaten der Vorsitzenden der etablierten Parteien nicht um ein Irrlicht handeln könnte, durch das man vom gewünschten Weg abkommt. Für ein demokratischeres, bürgernahes und transparentes Deutschland sind verschiedene Wahlmöglichkeiten erforderlich«, appelliert Michael Hensel.