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Beitrag von Mathias Täge

Mathias Täge (WK60): Mein Besuch im ersten Energie-/Wärmeautarken Dorf Feldheim

cc by Mainova AG

Alle streiten sich ideologisch über die Energiewende. Da aber die PIRATEN eher dazu neigen, faktenbasiert zu diskutieren und Feldheim [1] in meinem Wahlkreis 60 liegt, habe ich die Gunst genutzt und das Dorf besichtigt.

Rotorkopf einer Windkraftanlage

Mal zu den Eckdaten:
Im Ort sind 55 Windräder, die eine elektrische Leistung von bis zu 123 MW und eine jährliche Strommenge von 250 Mio. KWh erzeugen.

Des weiteren gibt es eine Biogasanlage mit einer Leistung von 526 kW, die auf 500 kW gedrosselt wurde. Diese erzeugt 4 Mio. kWh Strom und 2,275 Mio. kWh Wärme.
Was diesen Ort aber so einzigartig macht: Die Bürger haben ein eigenes Strom- und Wärmenetz aufgebaut und sind damit unabhängig von anderen Energieversorgern.

Für das eigene Stromnetz war eine Investition von 450.000 € erforderlich; das entspricht ca. 1.500 € pro Bürger. Diese Mittel wurden ohne Förderung und ausschließlich aus Eigenmitteln finanziert. Und das hat sich richtig gelohnt. Die Bürger zahlen nun nur noch 5,95 € Grundgebühr pro Monat und 16,5 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde Strom – und das ist auf 10 Jahre fest vereinbart.

Für die Investition in ein eigenes Nahwärmenetz waren Aufwendungen in Höhe von 1,725 Mio. € nötig, die teilweise vom Land kofinanziert wurden. Gespeist wird es aus der Biogasanlage, die dann im Winter durch eine Hackschnitzelanlage ergänzt wird. Biogas- und Hackschnitzelanlage werden von der hiesigen Agrargenossenschaft betrieben. Die Kosten für die Bürger belaufen sich auf 1,50 € monatliche Grundgebühr plus 7,5 Cent je verbrauchte Kilowattstunde für die Heizung. Ergebnis: Eine Ersparnis von 160.000 l Heizöl, die das Dorf ansonsten für Heizung und Warmwasser benötigt hätte.

Im Fuß einer Windkraftanlage

Die neueste Errungenschaft im Ort ist das regionale Regelkraftwerk. Dieses kostete 12 Mio. €, wovon 7 Mio. € von dem Energieerzeuger und 5 Mio. € vom Land kamen. Das regionale Regelkraftwerk hat eine Leistung von 10 MW; es speichert die überschüssige Windenergie aus dem Windpark in 3.300 Lithium-Ionen-Batterien und kann sie im Millisekundentakt an das Regionalstromnetz abgegeben. Dieses Regelkraftwerk kann Stromschwankungen für halb Ostdeutschland bis zu 30 Min. abfangen, ehe dann z.B. Vattenfall mit anderen Stromerzeugern einspringt. Dieses Kraftwerk ist ein Forschungsprojekt und derzeit einmalig in Europa. Das erreichte Ergebnis zeigt sehr eindrucksvoll, wie weit der derzeitige Forschungsstand in Sachen kurzfristiger Speichertechnologien für erneuerbare Energien auch in der Praxis ausgereift ist!

In Feldheim selber wird der Speicher an sich nicht benötigt, da der regelmäßige Strom entweder von den Windrädern oder von der Biogasanlage kommt. Und beide sorgen – in Kombination mit den lokalen gegebenen Möglichkeiten – dafür, dass die Bürger durch ihr Strom- und Wärmenetz immer ausreichend versorgt werden.

Mein Fazit des heutigen Tages:
Die Energiewende ist durchaus möglich. Das Grundproblem ist die Akzeptanz der Bürger.

Wenn die Bürger mitgenommen werden – und wie in diesem Fall – auch noch kostengünstig vom Energieerzeuger versorgt werden, dann ist deren Zustimmung gewiß. Transparenz, Mitbestimmung und Werben für das Akzeptieren neuer Ideen, dann klappt es nicht nur im kleinen Feldheim mit der Energiewende.

Beitrag von Mathias Täge, Direktkandidat von Wahlkreis 60 der Piraten

  1. Augenmaß ist angesagt!
    Energiewende um jeden Preis? Nein, Danke!
    Lieber zahle ich etwas mehr Grundgebühr, als bis an mein Lebensende in meinem Heimatort den Anblick einer zerstörten Landschaft mit 55 Windrädern ertragen zu müssen. Ein Windrad von 135m Höhe erfordert 350m² versiegelte Landfläche. Das macht bei 55 Windräder: ….

    Wie zynisch muss man sein, wenn man einen solchen Raubbau an der Natur gutheißt.
    Und die Geschichte geht weiter, denn irgendwie muss der erzeugte Strom doch auch transportiert werden.

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